Vereinsgeschichte

Am 8.6.1831 und 13.1.1832 wies die kgl. Regierung des Oberdonaukreises das Stadtkommissariat Neuburg an, einen historischen Verein aufgrund allerhöchsten Kabinettbefehls König Ludwig I. zu gründen. Am 30.7.1833 ist die Gründungsphase abgeschlossen. Der Historische Filialverein Neuburg an der Donau hat sich konstituiert.

Im Januar 1835 erschien das erste Collectaneenblatt als Beilage zum Neuburger Wochenblatt. Es sollte als Publikationsorgan des Vereins Beiträge zur lokalen und regionalen Geschichte veröffentlichen.

Die Gründungsphase wurde vom Kaufmann Joseph Benedikt Graßegger (Kunstsammler, Heimat- und Vorgeschichtsforscher, Sekretär des Historischen Vereins), und Gymnasialprofessor Joseph Ferdinand Platzer (Vereinskassier) geprägt. Sie brachten insbesondere mit ihrer Forschungsarbeit eine erste Blütezeit. 1873 wurde ein Museumssaal in der Harmonie eröffnet, der das Ausstellen von Vereinssammlungen ermöglichte. Amalie Graßegger, die Schwiegertochter Joseph Benedikt Graßeggers schenkte dem Verein vier Ottheinrich-Gobelins.

1884 wurde der Name des Vereins in Historischer Verein Neuburg a. d. Donau geändert. Die Stadt Neuburg gestattete die Führung des Stadtwappens als Vereinssiegel. Die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts andauernde Phase der Stagnation (sinkende Mitgliederzahl, geringe Forschungstätigkeit usw.) war zu Ende. Der Verein öffnete sich der Bürgerschaft. Er betrieb gezielte Öffentlichkeitsarbeit mit regelmäßigen (populären) Vorträgen und Exkursionen, die auch geselligen Bedürfnissen Rechnung trugen. Eine Satzungsänderung im Jahre 1891 erlaubte auch Frauen, Mitglied zu werden. Die Mitgliederzahl wuchs 1895 auf 300 an – ein Höhepunkt, der erst 1975 wieder überschritten wurde. Ende 1894 überläßt Josef Graßegger dem Historischen Verein seine Altertumssammlung als Dauerleihgabe zur Aufbewahrung.

Die Jahrhundertwende leitete wieder eine Zeit des Rückschritts ein (personelle Engpässe; Erster Weltkrieg), dem Pfarrer Joseph Sedelmayer, der dem Verein von 1919 – 1937 vorstand, erfolgreich entgegenwirkte.

1937 drohte dem Verein die Gleichschaltung. Sedelmayer trat zurück. Der Vereinskassier Fritz Graßegger reorganisierte den Verein, wobei er einerseits den nationalsozialistischen Anforderungen gerecht wurde, andererseits aber versuchte, durch geschicktes Taktieren dem Verein eine gewisse Eigenständigkeit zu bewahren. Der neue „Vereinsführer“ Studienprofessor Dr. Karl Ramp trat – wie von ihm erwartet wurde – in die NSDAP ein. Der Historische Verein wurde in Heimatverein umbenannt. Die Vereinssatzung fasste man unter nationalsozialistischen Vorzeichen neu (Blut-und-Boden-Programmatik, Germanenmystik). 1939 konnte das Weveldhaus angekauft werden. Das Museum im Harmoniegebäude schloss kriegsbedingt.

Nach Kriegsende – im März 1946 – konstituierte sich der Verein neu. Ramp musste zurücktreten. Die während der Nazizeit aus dem Ausschuss gedrängten Mitglieder fanden sich unter Dr. Josef Heider wieder zusammen. Die Familie Graßegger verlangte 1949 die Herausgabe der geliehenen Graßeggersammlung. Man einigte sich schließlich darauf, einige bestimmte Gegenstände zurückzugeben, darunter die Bronzestatue des hl. Martin von Sebald Hirder (heute im Bayerischen Nationalmuseum). Im Gegenzug wird der Historische Verein Eigentümer der verbliebenen Sammlung. Er erhielt 1950 den Namen Historischer Verein (Heimatverein). 1950 und 1951 wurde schrittweise das Heimatmuseum im Weveldhaus eröffnet. Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit verlagerte sich von der Forschungs- auf die Museums- und Verwaltungsarbeit.

1973 löste Michael Eckstein, langjähriger Mitarbeiter und bedeutendster Vorgeschichtsforscher des Vereins Heider im Amt des Vorstandes ab. Der Vereinsname wurde 1970 auf Heimatverein – Historischer Verein festgelegt (mittlerweile nur noch Historischer Verein).

Von 1980 bis 2000 war Studienrat Matthias Schieber Vorsitzender des Historischen Vereins. 1987 wurde das Schlossmuseum Neuburg nach langjährigen Vorbereitungen eröffnet (Abteilung Pfalz-Neuburg; Abteilung Vor- und Frühgeschichte = staatliche Zweiggalerie der Prähistorischen Staatssammlung München; Abteilung kirchlicher Barock mit Paramenten des Neuburger Ursulinerinnenfonds). Träger ist die Bayerische Schlösserverwaltung. Über 80 % der Exponate sind Leihgaben des Historischen Vereins. Das Heimatmuseum im – mittlerweile in städtischen Besitz übergegangenen – Weveldhaus wurde 1985 geschlossen.

Zur Vereinstätigkeit gehörten von Anbeginn an neben öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen – wie Vorträgen, Studienfahrten und Ausstellungen – auch Inventarisierungs- und Katalogisierungsarbeiten, die die wissenschaftliche Forschung erleichtern und eine ordnungsgemäße Verwaltung der Sammlungen ermöglichen.

Der Verein zählt mittlerweile ca. 500 Mitglieder (Vorsitzender: Roland Thiele).